Bürgerverein Unterrath 1909 und Lichtenbroich e.V.
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Das Heinefeld im Wandel der Zeiten

historisches zusammengestellt von Klaus-Dieter Kaiser


Vorwort des Verfassers
Es ist an der Zeit, den früher so schlechten Ruf des alten „Heinefeldes“ in einen geschichtlichen Zusammenhang zu stellen und damit zu relativieren. Überall in Deutschland nach dem ersten Weltkrieg wuchs die Arbeitslosigkeit und damit bittere Not und Armut bei vielen Menschen. Viele in Not geratene und zum Teil kinderreiche Familien
konnten ihre Miete nicht mehr zahlen und suchten eine „billige“ Bleibe.
Die Stadtverwaltung fand den Ausweg, diese Menschen unter anderem in die freigewordenen  Franzosenkasematten an der Ulmenstraße einzuweisen. Andere versuchten sich auf dem alten Exerzierplatz
des früheren preußischen Husarenregimentes -dem Heinefeldniederzulassen. Die verlassenen Munitionsstollen und Barackenreste der 39.er boten eine willkommene Behausung in freier Natur. Erste kleine Gärten wurden zur Selbstversorgung angelegt; noch fehlendes Baumaterial „fanden“ diese Menschen nachts in der weiten Umgebung.
Unkontrollierte Zuwanderungen aus Südosteuropa - wie Sinti und Roma - trugen bald weiterhin zum vorhandenen Sozialgefälle bei. Den Ereignissen von dieser Armutszeit in den trostlosen Sanddünen vor den Toren der Stadt folgte recht bald eine schöne Besiedlung (vgl. Inhalt).

Ich versuche als alter „Heide-Jong“, in dieser kleinen Broschüre eine geschichtliche Zusammenfassung vom Beginn des Heinefeldes über die unselige Zeit des „Dritten Reiches“ und dem zweiten Weltkrieg mit seinen Folgen auch für das Heinefeld. Aus einer Vielzahl von Kurzdarstellungen erzähle ich über den Wandel des Heinefeldes bis zur heutigen attraktiven Wohngegend. Als Ingenieur-Rentner bin ich natürlich kein Literat oder Historiker, deshalb sehen Sie mir, liebe Leserinnen und Leser, mögliche kleine Fehler nach.
Zitat Prof. Dr. Guntram Fischer: „Geschichte wird nicht nur ’von den da oben‘ gemacht, sondern wurzelt vielmehr im Volke unten“.
Ein gutes Beispiel für die Richtigkeit dieser Weisheit sind die vielen Geschichten und lustigen Mäuzkes über das Heinefeld, welche sich alte Freunde im ,,Dohlenstübchen“ auf dem Mühligweg immer wieder erzählen.
Düsseldorf, im Sommer 2006 Klaus-Dieter Kaiser

1. Die Landschaftsbildung

(aus Heimatkunde Prof. Dr. G. Fischer)


Südlich von Kaiserswerth und südwestlich vom Kittelbach hatte sich in grauer Vorzeit eine Heidelandschaft gebildet. Es zogen immer wieder Streiter und mutige Mönche aus Kaiserswerth in dieses Gebiet. Wenn die Mönche dann nach Verlassen des Klosters durch die weiten und trostlosen Sanddünen dahin schritten und im Hintergrund die düsteren Höhenzüge des Aaper Waldes vor sich liegen sahen, erfaßte sie wohl die Sorge „Wie werden wir wohl unsere Heimat, das Kloster, wieder finden ?“ Da mag mancher Mönch inbrünstig gebetet
haben : „Gott hol uns heim!“ So die Überlieferung. In einer alten Urkunde von 1184 schrieb man die Worte anders: „Gottholushem“. Später wurde daraus „Gottholzeshem“ und schließlich „Golzheim“.

Wahrscheinlich heißt „Golzheim“ aber „Heim des Gotthold“. Solche „Heim“-Orte finden sich häufig in unserer Gegend, z.B. Stockum ( = Heim in den Wurzelstöcken ) oder Kalkum (= Kalkheim). Diese und andere nicht auf Personen bezogene Ortsnamen, soweit sie in der Niedertrasse des Rheins liegen, weisen auf eine Besiedlung
bald nach der Völkerwanderung um 450 hin. Die mit Personennamen verbundenen Orte wie Golzheim entstanden aber erst während der Zweiten Fränkischen Landnahme nach 750. Unser Rath (-Unterrath) gehörte zu den frühesten Rodungssiedlungen. Das kann man aus der Entstehung des Königshofes in Rath (-Unterrath) schließen.
Bei uns wurde nicht in Dörfern gesiedelt, sondern südlich Kaiserswerth in einzelnen Höfen.

Franz Rennefeld berichtete von vielen Altertumsfunden aus unserem Gebiet. Steinbeile aus Jungsteinzeit fand man an der Theodorstraße, im Aaper Wald, im Rather Broich, Am Roten Haus und auf der Golzheimer Heide. Mit diesen Werkzeugen haben etwa von 5000 bis 2500 Jahren v. Ch., Menschen in unserem Gebiet Bäume gefällt und Wild erlegt. Auch Steinmesser, Schaber und Pfeilspitzen aus der Jungsteinzeit wurden auf der Golzheimer Heide gefunden.

Um 800 n.Chr. bestand schon eine feste Siedlung in Unterrath (Rath); das folgt aus einem Fund auf der ,,Beedstraße“. Dort fand man bei Ausschachtungen einen Graben und in dessen verhärtetem Schlamm bemalte Tongefäße. Diese Gefäße stammen aus Pingsdorf bei Bonn, einer Töpferei, welche bereits 881 n.Chr. von den Normannen zerstört worden war.

2. Peter Korbmacher erzählte vom Kittelbach:

Auch heute hören Kinder gern Geschichten aus alter Zeit. Es war im Winter 1916/17, also während des ersten Weltkrieges. Da lief ich mit meinen Schlittschuhen auf dem Kittelbach in Richtung Kaiserswerth. Plötzlich sah ich, wie der Turm des Kartäuserklosters „Haus Hain“ lichterloh brannte. Schnell lief ich hin und wartete mit anderen Kindern auf die Feuerwehr.
Sie kam fast zu spät: ein Feuerwehrauto war im hohen Schnee stecken geblieben. Die Feuerwehrmänner pumpten das Löschwasser aus dem Kittelbach und löschten mit den Spritzen den Brand. Als kleiner Junge hatte ich im Kittelbach auch schwimmen gelernt, das war aber verboten. An einem schönen Sommertag tauchte plötzlich ein Polizist mit einem spitzen Helm auf.
Jemand brüllte: „Dä Putts kütt.“ Schnell heraus aus dem Wasser, Hemd und Hose geschnappt und fort! Einer wurde jedoch erwischt, am nächsten Tag legte ihn der Herr Lehrer übers Knie und versohlte ihm den Hosenboden.
In das früher klare Gewässer kamen im Frühjahr vom Rhein her viele Fische: Weißfische, Schlammbeißer, Rotaugen, Neunaugen, und Aale. Ich habe selbst oft Aale mit der Hand gefangen (Anglerlatein ?)
Heute ist das aus folgenden Gründen nicht mehr möglich:
Vormals floß der Kittelbach durch das alte Kaiserswerther Rheinbett. Bei Hochwasser des Rheins staute sich der Kittelbach und machte Kaiserswerth wieder zu einer Insel.
Die Stadtverwaltung verlegte die Kittelbachmündung in einen künstlichen Wasserfall, über den konnten keine Fische mehr in den Kittelbach gelangen, selbst wenn es im Rhein wieder welche geben würde. Die halbe Herrlichkeit des Kittelbaches verschwand zudem noch unterirdisch unter dem Flughafengelände.
Schade für die Kinder? Nein (!) ein kleiner jedoch sehr schöner Ausgleich wurde im neuen Kartause-Hain-Park geschaffen. Der Kittelbach in neuem Bett mit allerlei Getier und Gefieder.

3. Preußischer Exerzierplatz

(frei nach Recherche Klaus.D.Kaiser)

Das heutige Heinefeld war ein ideales Übungsgelände für das königliche Ulanenenregiment 39 aus den Kasernen auf der Tannen Straße. Trommler und Pfeifer übten hier ihre Marschmusik.

Nach den napoleonischen Kriegen wurden immer mehr Gefechtsübungen auf dem Exerzierplatz durchgeführt.
Im nördlichen Bereich des heutigen Krönerweges entstand bald ein Schießstand; diese Einrichtung blieb über ein ganzes Jahrhundert bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg erhalten.

Der Architekt Hans Schuster hat in seinem Skizzen-Heft „Mit Pinsel und Malblock um 1925 durch Unterrath“, unter anderem bei seinen Wanderungen auch diese Schießstände festgehalten:
Hier wurden an 20 Kugelfängen zunächst die königlichen Ulanen und später die 39er „Knüfkes“ von der Tannenstraße zu „ordentlichen“ Infantrie-Schützen gedrillt. Uns Jungens vom Heinefeld war der Erlös aus dem Aufsammeln alter Patronenhülsen der Knüfkes eine willkommene Aufbesserung unseres Kirmesgeldes.

Nun wieder zurück zu den königlichen Preußen:
Die Artilleristen wollten den Füsilieren nicht nachstehen, sie erprobten ihre Geschütze und Kanonen auf dem Heinefeld. Die militärischen Bedürfnisse machten es erforderlich, für das Königreich Preußen ein einheitliches Kartenwerk, über das es bisher nicht verfügte, zu erstellen. Das Vorbild lieferte Napoleon selbst, dessen Colonel
Tranchot schon ab 1801 die ersten maßstabgetreuen Karten vom damals unter Napoleon besetzten Rheinland angefertigt hatte.

Es waren meist junge Artillerieoffiziere,die zwischen 1836 und 1850 im Rahmen ihrer Ausbildung bis zu drei Jahre für das Projekt abkommandiert wurden.

Ausgehend von einem bereits markierten Netz trigonometrischen  Punkten und ausgerüstet mit Wasserwaage, Kompass und Dipterlineal fertigten sie auf sogenannten „Messtischen“ die Karten dieser Uraufnahme an. Im Sommerhalbjahr wurde gemessen und skizziert, im Winterhalbjahr mit verblüffender Präzision „ins Reine“ gezeichnet und mit farbiger Tusche koloriert.

Bei den Karten handelt es sich um das erste „moderne“ Kartenwerk unseres Landes um 1850, eine exakte Bestandsaufnahme der Landschaft vor der Industriealisierung. Jeder Höhenzug, jeder Weiler, jeder Forst und Fischteich war präzise eingezeichnet. Das Wegenetz macht Abstufungen von der Steinchaussee über gewöhnliche Landstrassen bis zum einfachen Feldweg deutlich.

Die Karten blieben streng unter Verschluss des preußischen Heeres. auch als sie ihre militärische Bedeutung längst verloren hatten. Lange lagerten die Karten in der Plankammer des Potsdamer Stadtschlosses direkt über dem Schlafgemach des Königs, bevor sie 1919 der Kartensammlung der Staatsbibliothek in Berlin zugeführt wurden.

Da das altehrwürdige Institut im Ostteil der geteilten Hauptstadt lag, blieben die kartographischen Kostbarkeiten auch nach 1945 als „militärische Information“ unter dem Mantel der DDR-Geheimhaltung verborgen.
Die Karten können nun beim städtischen Katasteramt, Brinckmannstrasse 5 käuflich erworben werden.


4. Das Heinefeld von 1923 -1934

Die französischen Besatzungstruppen hatten 1923 das Ruhrgebiet und das Rheinland besetzt um die im Vertrag von Versailles festgelegten Reparationen besser durchzusetzen und zu kontrollieren.

Die Franzosen liessen an der Ulmenstraße ein riesiges Areal Steinkasematten als Kaserne für ihre  Besatzungssoldaten errichten. Für Ihre Offiziere und Unteroffiziere wurden die heutigen schönen Häuser im
angrenzenden Winkel Ulmenstraße/Ecke Johannstraße erbaut.

Der Widerstand der Bevölkerung wuchs zusehends, hatten die Menschen doch selbst wegen Inflation und Arbeitslosigkeit zu wenig zum „Leben und zum Sterben“. Eine ganze Schar von aktiven Widerständlern
verbrachten die Besatzer in die Zellen der „Ulmer Höh“.

Es wurden Verbindungswege nach Frankreich zerstört. Auch die Eisenbahnbrücke hei Kalkum wurde gesprengt. Albert Leo Schlageter kann man als einen Teilnehmer dieses Attentats ermitteln. Es geht alles sehr schnell, man will ein Exempel statuieren. Ein Französisches Kriegsgericht verurteilt Schlageter zum Tod durch erschießen. Am
frühen morgen des 26.Mai 1923 wurde Schlageter auf der Golzheimer Heide in einem Baggerloch erschossen.

Nach Abzug der Franzosen siedelten sich immer mehr erwerbslose Menschen, u.a. auch Sinti und Roma, in leerstehenden Pulver- und Magazinschuppen, Stollen und Bretterbuden und Hütten an. Das Material erstand man zum Teil billig bei einem Abbruch oder -noch billiger- wenn es nachts einfach „gefunden“ wurde.


Die Stadtverwaltung stand dem Treiben in dieser „wilden Siedlung Heinefeld“ machtlos gegenüber.

Die Behausungen im Sand des alten Exerzierplatzes boten ein trostloses Bild, heiß im Sommer und bitterkalt im Winter. Nicht einmal eine Wasserleitung gab es. Nachdem die Wilde Siedlung immer größer wurde, sind viele
Obdachlose in die frei gewordenen Franzosenkasematten eingewiesen worden. Dort war die Not bei den armen kinderreichen Familien nicht geringer als ,,Op de Heid“.

Vor allem die Zigeuner fanden in dem Graphiker und Maler Otto Pankok (1893 - 1966) einen Freund. Pankok war später Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er war Mitbegründer der Künstlergruppe „Neues Rheinland“.

Bei „Mutter Ey“ erzählte Pankok oft im Kreise seiner Künstlerkollegen vom Leben und Treiben in der wilden Siedlung auf dem Heinefeld; von den Armen und Vergessenen. Vor allem ein alter Zigeuner hatte es ihm besonders angetan. Der Alte erzählte dem Maler viel von seiner Sippe und seinen Irrwegen durch Europa. Pankok war immer mit seinem Skizzenblock unterwegs.

Er war manchmal den ganzen Tag im Heinefeld und versuchte das schicksalhafte Leben in seinen Bildern aufzuzeigen. Die Zigeunerkinder nannten Pankok ,,Molari“. Wenn man sie nach ihm fragte lachten die Kleinen Dunkelhaarigen und Dunkeläugigen und liefen voraus um zu zeigen, wo man ihn fand: Er -eine imposante Gestalt mitVollbartthronte mitten in einer verwegenen Atmosphäre, vor sich eine Staffelei.

Im Jahre 1930 wurde die Not durch Arbeits- und Erwerbslosigkeit immer unerträglicher. Wer seinen Arbeitsplatz verlor, hatte keine Aussicht einen neuen zu finden. Die geringe „Arbeitslosenunterstützung“ reichte oft nicht zum Notwendigsten. Eine vierköpfige Familie erhielt ca. 18 Reichsmark in der Woche.

Alois Marschall, ein „Ursiedler“ vom Schlehenweg erzählte:

,,...in vielen nächtelangen Diskussionen drehte es sich meistens um die gleiche Frage: „Was können wir tun, um aus dieser Not heraus zu kommen?“

Eines Tages las ich einen plakatartigen Aufruf zu einer Versammlung in der Eller-Schule mit der Überschrift „Siedeln tut Not“. Der Verfasser und Initiator war ein Herr August Claasen. Von dieser, für damalige Verhältnisse wahnwitzigen Idee angesteckt, kamen etwa 50 neugierige Männer diesem Aufruf nach. Anton Stenz, ein wortgewandter Redner, stellte das Projekt vor. Doch als zum Schluß der Veranstaltung eine Liste ausgelegt wurde, trugen sich zunächst nur wenige Interessenten ein. Für die anderen waren das alles nur Hirngespinste.

Es folgten weitere Versammlungen in der Privatwohnung von August Claasen auf der Gerresheimer Straße. Wir trafen uns in Privatwohnungen und anderen zur Verfügung stehenden Räumen. Einmal wurden wir sogar von der Polizei umzingelt und auf die Wache abgeführt.

Unser Entschluß stand bald fest: ein Stück Land mit einem Häuschen, einem Stall für Kleinvieh sowie einen Garten für Obst und Gemüse. Die Losung:

>ALLES NATÜRLICH KULTIVIERTER UND SCHÖNER ALS IN DER WILDEN HEINEFELDSIEDLUNG<

Als die Unruhen immer mehr zunahmen und der Siedlungsgedanke immer weitere Kreise zog, sah sich die Regierung gezwungen, etwas zu unternehmen.

Ein Siedlungskommissar wurde ernannt und die Gemeinde teilte mit, dass sie brachliegendes Land und die Stadt selbst als Bauträger für die geplanten Stadtrandsiedlungen zur Verfügung stellen wollte. Doch es vergingen viele Wochen und es geschah: NICHTS!

So beschlossen wir zu handeln! Wir versammelten uns auf dem Spichernplatz und zogen mit Schaufeln und Hacken ausgerüstet zur Golzheimerheide. Hier entfalteten wir eine fieberhafte Tätigkeit indem wir anfingen, Baumstümpfe und Wurzeln auszugraben. Die vielen Schützengräben des 39. Infanterieregimentes wurden zugeschüttet.

Diese Aktivitäten blieben den Behörden nicht verborgen und auf Fragen nach dem Zweck unseres Aufmarsches, erhielten sie die Antwort, dass wir hier siedeln wollen. Und nun geschah etwas für uns alle Überraschendes!

Das städtische Gartenamt wurde zusätzlich mit der Aufgabe des Siedlungsamtes betraut, dessen Leitung der Gartenarchitekt Herr Küchler übernahm. Dann wurde zunächst die Verteilung der Grundstücke vorgenommen und die Landvermesser steckten die Straßen und die einzelnen Parzellen ab...
Mittlerweile hatten sich andere Gruppen auch auf dem „Heinefeld“ gebildet, die ebenfalls Häuser bauen wollten.

5. Gründung der ersten Pfarre auf dem Heinefeld

Öffentlichkeitsarbeit „Heilige Familie“ (Auszüge) und Auszüge Wilhelm GoIz

Die Bevölkerung „Op de Held“ wuchs rasant, aber auch die materielle und seelische Not der Menschen nahm zu. Eine alte Baracke war 1930 als Kindergarten auf dem Mühligweg von der Unterrather Pfarre St.Bruno aufgestellt worden - ein Versuch seitens der Kirche, mit den Menschen des Heinefeldes in Kontakt zu kommen. Im Advent
1931 hielt Pfarrer Bolten von St.Bruno den ersten Gottesdienst in dieser Baracke. Sie diente fortan sonntags als Notkirche.

Endlich fand sich auch ein eigener Seelsorger. Am 20.Februar 1934 wurde Kaplan Mathias Beckers zum Rektor des Rektorates „Golzheimer Heide“ ernannt. Kaplan Beckers kümmerte sich wie ein Vater um die ausgegrenzten
Menschen, er half wo er konnte.

Besonders dankbar waren die Mütter, dass sie Ihre Kinder in den Kindergarten auf dem Mühligweg jeweils für ein paar Stunden in Obhut geben konnten.

Auch der Verfasser war als klitzekleiner Stropp dort im Kindergarten. Ich erinnere mich, dass ich mit meiner umgehängten Butterbrot- Blechtrommel „quer über die Heid“ zum Kindergarten ging. Nur zu oft kam ich mit der leeren Butterbrot-Dose im Kindergarten an. Dunkelhautige „Räuber“ (Kinder) hatten uns „überfalIen“ und das Brot
geklaut.

Am 12. Mai 1935 wurde dann endlich unser neu errichtetes Gotteshaus „Heilige Familie“ mit Kindergarten und Kinderhort sowie Pfarrheim feierlich gesegnet. Eine reguläre Weihe konnte nicht erfolgen, weil die Kirche nicht auf kircheneigenem, sondern in Erbpacht auf städtischem Grund errichtet worden war.

Die Mönche vom Kloster Kartause Hain in Unterrath hatten schon am 22. April 1935 zur großen Freude der Gemeinde zwei neue Bronzeglocken gestiftet. Weitere Stiftungen kamen hinzu.

Wilhelm Golz erzählt: „Lange bin ich nicht mehr durch die Straßen der Sorgen auf dem Heinefeld gegangen. Nun habe ich von Augenzeugen erfahren, was dort passiert ist, wie dort die SS aufgeräumt hat.

Das Zigeunerlager und die Elendshütten auf dem Heinefeld stand ihr schon lange im Wege. So ein Schandfleck vor einem „Heldenmal“, das konnte doch nicht geduldet werden. Diese Diebe und Messerstecher, dieses schmutzige Volk, eine undefinierbare Rasse, so etwas mußte verschwinden.

So war dann eines Morgens eine Horde SS-Männer mit Stahlruten und Knüppeln in das Zigeunerlager gestürmt und hatte die Zigeuner aus ihren Hütten geprügelt. Die Männer mußten dann mit Stemmeisen ihre eigenen Behausungen einreißen und verbrennen.

Und wie man das ja von den „Tangokellern“ (Schlägerkeller) gewohnt war, bekamen sie anschließend als Dank für ihre gute Zerstörungsarbeit eine ordentliche Tracht Prügel. Schnell kamen Lastwagen vorgefahren, die Zigeuner mußten sie besteigen, und ab gings. - Wohin ? Mein Gewährsmann macht ein Kreuzzeichen!

Dem Pastor Becker, der schon so manches Grauenhafte in seinem Elendsgebiet erfahren mußte, stand der Zorn ins Gesicht geschrieben. Am folgenden Sonntag wetterte er von der Kanzel....

„Christen“ rief er, und das Wort traf wie ein Peitschenhieb, und nocheinmal: „Christen! Wenn der Herr über Leben oder Tod euch am Jüngsten Tag fragen wird, wo sind Eure Brüder, die Zigeuner vom Heinefeld? Dann werdet ihr ihm keine Antwort geben können. Aber der Herr wird weiter bohrend fragen: Wo sind die Zigeuner geblieben?
Dann werdet ihr stotternd und verlegen etwas von SS und dem Führer Adolf Hitler reden, der das alles befohlen habe.

Dann werdet ihr alle vor Scham das Haupt senken und antworten müssen Herr, wir waren Mitläufer und Duckmäuser in einem Rudel Wölfe........
Unser Seelsorger Rektor Beckers wurde im Oktober 1940 von der GESTAPO gefangen genommen, ausgewiesen und verbannt. Das Kirchengebäude mit Pfarrheim und Kindergarten wurde bei einem schweren Luftangriff am 02.11.1944 stark beschädigt (Zu seiner Ehre und zur Erinnerung wurde später auf dem Heinefeldplatz eine Gedenkstätte geschaffen.)

6. Die Neue Siedlung auf dem Heinefeld entsteht 1933

(späterer Name: „Auf der Golzheimer Heide“)

Nachdem die Errichtung der Siedlung am Schlehenweg bereits Gestalt angenommen hatte, kamen auch ab 1930 die Gruppen vom Heinefeldplatz „in die Gänge“.

Wie zuvor am Schlehenweg hatte auch das Gartenamt unter der Leitung von Gartenarchitekt Herr Küchler damit begonnen, die Grundstücke zu verteilen und die Landvermesser zu beauftragen, die Straßen und Parzellen zu vermesen und abzustecken.

Um jedoch eine geordnete Entwicklung der zumeist privaten Initiativen herbeizuführen, machte die Stadt allen Grundstückpächtern (Erbpacht) die Auflage, das Land zu kultivieren, den Hauptstrang der Wasserleitung zu verlegen und die Straßen zu bauen. Zunächst wurde Baumaterial für die Straßen zur Verfügung gestellt.

Im Frühjahr 1933 waren die Erschließungsarbeiten abgeschlossen. In einem Bauwagen auf dem Heinefeld wurde die Bauleitung mit einem Oberbaurat und zwei Architekten eingerichtet, die in der Folgezeit die Bauleitung übernahmen.

Pro Haus wurden die erforderlichen 25 cbm Kies aus einem nahen Baggerloch für die Fundamente und Keller mit Schaufeln auf ein Pferdefuhrwerk geladen und herangeschafft. Bimssteine, Zement und Kalk wurden von der Stadt angeliefert. Es wurden Gruppen von je 10 Mann gebildet, sogenannte „Zehnerschaften, zu denen mindestens
3-4 Baufachleute gehörten.

Endlich begannen die Bauarbeiten. Es entstand ein regelrechter Wettstreit zwischen den einzelnen Gruppen und Straßengemeinschaften. Im Herbst 1933 waren viele Häuser schon im Rohbau „bezugsfertig“.

Neben den fleißigen Männern verdienen die Siedlerfrauen ein besonderes Lob. Neben der Betreuung ihrer Kinder und dem „spärlichen Bekochen“ der Ehemänner und Bauhandwerker haben sie Steine abgeladen, Beton und Spiess angemacht und viele andere Arbeiten verrichtet.

Die Stadt lieferte „Jägerzäune“ mit Fertigbetonpfeilern und die Siedler friedeten voller Stolz „Ihre“ Grundstücke ein. Jetzt begannen die Gartenarbeiten und jeder wollte den anderen in der Bepflanzung mit Obst und Gemüse übertreffen. Verschiedene Beete mußten arbeitsaufwendig von Hand mit Kompost und Herbstlaub umgearbeitet werden, damit über dem Sandboden eine Humusschicht entstand.

Mangels Kanalisation hatte jeder Siedler ein „Plumpsklosett“, verschlossen mit einem ausrangierten Kochtopfdeckel. Die Jauchetonne wurde regelmäßig im Garten entleert, damit Gemüse und Obst prächtig gedeihen konnten.

Gebadet wurde wöchentlich einmal in einer Zinkbadewanne mit einer Füllung warmem Wasser: in der Reihenfolge Mutter, Vater, dann die Kinder, der Kleinste (das war ich !) zum Schluß. Federvieh und Kaninchen hatte fast jeder Siedler. Manche hielten sich auch ein bis zwei Schweine oder Ziegen und Schafe. Einige wenige unterhielten auch eine „Deckstation“ (zur Wonne für wbl. Viehzeug) um das Salär aufzubessern. Später wurden einige auch
Taubenzüchter und hatten z.T. große Erfolge mit ihren Brieftauben bei Wettbewerben.

Wir Kinder fühlten uns wie im Paradies und hatten eine wunderschöne Kindheits- und Jugendzeit.

Zur Ausstellung „Schaffendes Volk“ wurde das hochaufragende Schlageter-Denkmal in die imposante Gesamtanlage des neuen Ausstellungsgeländes integriert. (Heute noch bildet der „Nordpark“ ein herausragendes Park- und Landschaftbild ) Dieser wundervolle Park mit seinen Wasserfontainen und Wasserlandschaften bis zum Rhein boten „däm Heide-Jong“ mit seinen Freunden immer ein Abenteuer nach dem anderen.

Es ging auch im Heinefeld aufwärts ! Die Häuser mussten alle weiß getüncht werden (Heringsbrühe mit Kalk vermischt), die Vorgärten wurden herausgeputzt und die unbefestigten Straßen wurden zu den Wochenenden säuberlich in Kehrmustem gefegt!

Wehe, wenn es aber regnete; bei Kaisers / Zillekens vor den Häusern Birkhahnweg 30-32 bildete sich dann ein knietiefer „See“, herrlich für uns Kinder zum baden! Die „Ahl Frau Zillekens“ gab dann jodelnd den Ton an und alle waren quitschvergnügt.

Es bildete sich bald die erste Siedlergemeinschaft unter der Regie des „Deutschen Siedlerbundes“. Erster Vorsitzender war Herr Simon Melimer vom Elsternweg. Das erste Siedlerfest ließ dann nicht lange auf sich warten. In einem großen Zelt ging es mit Musik und Tanz richtig rund. Kinderfeste mit Spielen und Wettkämpfen waren selbstverständlich. Es gab eine Schießbude und der Vorstand hatte für eine Tombola von Sponsoren gestiftete Preise gesammelt.

7. Unsere Siedlergemeinschaft 1937 - 1945

Die fröhliche unbeschwerte Eintracht der ersten Jahre war bald zu Ende. Alle Männer hatten zwar wieder Arbeit und Lohn, aber es wurde in allen Bereichen von den Nationalsozialisten „Regie geführt“. Das „Führersystem“ durchleuchtete auch unser Heinefeld. „Blockwarte“ und „Straßenwarte“ hatten „alles im Griff“.

Diese braun und schwarz Uniformierten waren an der Erstellungsarbeit der Siedlungshäuser jedoch nicht wesentlich beteiligt, weil sie ja in ihrer ,,Parteiarbeit sehr eingebunden waren. (!?!)“ Jetzt stolzierten sie anweisend durch die Gegend.

Uns Kindern hat auch diese Zeit Spass gemacht; die Halbwüchsigen gingen in die „HJ“ und die Mädchen zum „BDM“ und Jungen in das „Jungvolk“. Wir Kinder unter 10 Jahren spielten unbeschwert „Soldatenspiele“ bis alles ab 1939 ernster wurde: Deutschland hatte England, Polen und Frankreich den Krieg erklärt!

Bald vielen die ersten einzelnen Bomben in die Siedlung und alle Häuser mußten zur „Tarnung“ gegen Luftangriffe grün gestrichen werden. Alle Fenster wurden am Abend durch schwarze Rollos abgedunkelt.

Zu den oben erwähnten „Straßenwarten“ kamen nun noch „Luftschutzwarte“ zur Kontrolle, ob alles „schön abgedunkelt war“. Im Rahmen der Luftverteidigung hatte sich im heutigen Bereich Auerhahnweg / Ecke Bachstelzenweg eine leichte Flackbatterie mit Horchgeräten und Scheinwerfern etabliert. (Wer hat heute noch
davon Kenntnis?)

Auf dem ,,Kurt-Hilmerplatz“ (spater Heinefeldplatz), auf dem Mühligweg und auf der Deikerstraße wurden zunächst provisorische „Splittergräben“ in die Erde eingelassen und mit Holzbalken und Erdreich bedeckt. Später, als die Bombenangriffe immer heftiger wurden, sind 1942 diese Gräben durch unterirdische Betonbunker ersetzt worden.

Ich erinnere mich genau an die schwere Zeit meiner Mutter: zuhause waren von uns 5 Kindern nur noch mein Bruder Helmut und ich; die anderen waren an der Front oder an anderen Orten im Kriegseinsatz. Bei nächtlichem Fliegeralarm holte uns die Mutter aus dem Bett und zog uns zum Bunker die Kleider an. Wenn sie mich fertig angezogen hatte und bei Helmut anfing, zog ich mich wieder aus und wollte zurück ins Bett. Später wurden wir halb angezogen ins Bett gepackt, damit es schneller zum Bunker ging. Am 02. November 1943 bekam der Bunker auf dem Heinefeldplatz einen Volltreffer und manche Menschen aus der Siedlung wurden verletzt oder getötet.

Um den Bombenangriffen zu entgehen, wurden ab 1942 viele Kinder in die „Kinderlandverschickung“ evakuiert. Am Bahnhof war jeweils Sammelpunkt für viele hundert Jungs und Mädchen. Alles war trefflich organisiert. Am Zielort in Mainfranken kamen wir in Altersgruppen aufgeteilt zunächst in Schulräume, dort warteten auf uns schon eine Schar „Pateneltern“ und suchten sich die für sie passenden 9-10 jährigen aus.

Ich hatte „Glück“ und kam zu „Ortsbauernführer“ Weigand nach Albertshofen am Main. Für die einheimischen Jungens und Mädchen und uns gab es nur 2 Klassen im „Gemeinschaftsunterricht“! „Us de Heid“ waren wir zu drei kleinen Burschen in diesem Dörfchen und trieben dort so manchen Schabernack. Nach einem halben Jahr holten
mich die Eltern wieder ab.

Am 20. April 1943 war es dann soweit (!) wir durften in das KLV-Lager der Pimpfe aus dem „Jungvolk“. Mit ein paar Jungens aus Gerresheim wurde unter der Leitung unserer Klassenlehrerin Frau Esser aus der Volksschule a.d. Kalkumerstraße in Bernbach bei Herrenalb das „Lager Wü-56“ gebildet. Unser Domizil war das frühere kleine
Schwarzwaldhotel „zum Grünen Baum“. Es existiert auch heute noch im Besitz der netten Schwarzwälder Familie. Die Schulausbildung von uns 10-lijährigen war permanent von einer „vormilitärischen“ Ausbildung mit entsprechendem Drill begleitet.

Nach Ende des vierten Schulhalbjahres wurde unser Lager aufgelöst und einige gingen nach Bd. Wörishofen in ein neues Gymnasium-Lager.

Ab 1943 waren die Bombardierungen in Großangriffen so schrecklich, das ein Großteil Düsseldorfs schon zerstört wurde. Am Nachmittag des 02. Novembers waren 961 viermotorige, schwere britische Bomber der Typen „Lancaster und Halifax“ mit „Mosquito“ Jägern zum Großangriff auf den Norden Düsseldorfs gestartet. Nur eine
knappe Viertelstunde nach den „Luftalarm-Sirenen“ brach ein unbeschreibliches Inferno über den nördlichen Stadtteilen herein: Von 19.05 Uhr bis exakt 20.27 Uhr warfen die Bombergeschwader 560 Luftminen, 5.350 Sprengbomben, 220 Phosphor- und 15.500 Stabbrandbomben ab.

Die Bilanz des Schreckens: Düsseldorf erlebte insgesamt 243 Luftangriffe, (der schlimmste Pfingsten 1943 mit 1.200 Toten).

Für die obdachlos gewordenen Menschen wurde von der „Gauleitung“ plötzlich wieder das Heinefeld für Soziale Zwecke neu entdeckt: (!) Überwiegend sowjetische Kriegsgefangene errichteten unter bewaffneter SA-Aufsicht insgesamt 18 Holzbaracken. Die Baracken waren circa 36 x 10 m groß und boten Platz für bis zu 20 Familien mit Kindern Die russischen Kriegsgefangenen bekamen von uns öfter Brot u.A. zugesteckt, aber man durfte sich nicht dabei erwischen lassen weil es bei Strafe verboten war.

Interessanter für uns war die fast gleichzeitige Errichtung von kleinen „Behelfsheimen“ mit kleinen Gärtchen auf der Westseite der Deikerstraße. Diese Häuschen (im Volksmund „Vogelhüskes“) waren viel humaner und würdiger als die riesigen dunklen Baracken auf dem Heinefeld. Diese „Hüskes“ wurden von kriegsgefangenen Italienern
erstellt.

Diese ehemaligen „Bardoglio“-Soldaten hatten schöne Sterne an ihren Uniformen und wir konnten sie gegen „Fressalien“ eintauschen. Eintauschen war ja sowieso bei Alt und Jung sehr groß in Mode. Wir Jungens sammelten Bombensplitter und tauschten, was das Zeug herhielt. Besonders begehrt waren Aluminium-Splitter von abgeschossenen Bombern oder Jägern.

Wegen der ständigen Evakuierung kann ich natürlich nicht viel selbst Erlebtes aus den letzten Kriegstagen des Heinefeldes erzählen. Ich erlebte das Kriegsende und die Deutsche Kapitulation in Karlstadt am Main beim Einmarsch der amerikanischen Armee. Weil ein ordentlicher Schulalltag gar nicht möglich war vertrieben wir uns die Zeit bei den Amis. Mein bis dahin sehr spärliches Schulenglisch wurde durch die Yankees stark amerikanisiert, sehr zum Leidwesen meiner späteren Englisch-Lehrer.

8. Wiederaufbau und Neuanfänge in der Siedlung 1945/48

Der 10. Mai 1945; endlich war der schreckliche Krieg beendet. Die Stadt war nahezu vollständig zerstört. Von manchen Stellen des nördlichen Derendorfs aus konnte man mit freiem Blick bis zum Bahnhof schauen. Spreng- und Brandbomben der Alliierten und immer wieder verheerende „Luftminen“ hatten „ganze Arbeit geleistet.
Der Artilleriebeschuß kurz vor der Kapitulation hat noch weiteres Not und Elend gebracht.

Britische Truppen der 21. Heeresgruppe Montgomery hatten das verwüstete Düsseldorf befreit und besetzt. Befreite ehemalige Kriegsgefangene zogen oft marodierend umher und machten alles noch unsicherer. Wieder stellte sich Hunger und Elend ein.

Auch das Heinefeld war von Kriegsschäden nicht verschont geblieben, aber die Zerstörungen hielten sich hier im Heinefeld in Grenzen. Der schwarze Markt blühte an allen Ecken. Der Kleverplatz war dabei Dreh- und Angelpunkt in Düsseldorfs Norden. Hauptwährung waren amerikanische und britische Zigaretten das Stück für 12  Reichsmark. Eine „Gedrehte“ aus den Resten des Deutschen Tabakanbaus kostete 3-5 Reichsmark.

Mit der Grundbasis dieser Ersatzwährung wurde fast alles verschoben und bei Hamsterfahrten mit den hoffnungslos überfüllten Eisenbahnzügen wurde bei den Bauern am Niederrhein, im Münster- und Sauerland alles gegen Speck, Mehl und Eier eingetauscht. Manch besonders Findige hatten sich vorher noch mit Salz und Pfeffer eingedeckt und wurden bei den Bauern ob ihrer Kostbarkeit immer zum - „schwarz“ - Schlachten sehnsüchtig erwartet. Unser Vater „Kalla“ zeichnete sich hierbei auch einmal mehr durch eine besondere Cleverness
aus.

Beim Wiederaufbau zerstörter oder teilzerstörter Siedlungshäuser zeichnete sich u.a. die fromme, katholische Familie Schneider vom Elsternweg besonders positiv aus. Kriegerwitwen wurde spontan und unentgeldlich geholfen. Die Schneiders waren geschickte Maurerhandwerker und das Material wurde in Nachbarschaftshilfe
„besorgt“.

Auf diese Art und Weise war der alte „Pionier- und Organisationsgeist“ im alten Heinefeld wieder >jetzt freiheitlich /demokratisch<, bald wiedergeboren.

Unser Vater (Karl „KalIa“ Kaiser), rannte nun fortan den neuen Stellen in der Stadtverwaltung die Bude ein: „Es wird dringend Zeit, dass die immer noch provisorischen Straßen und Grundstücke in der gesamten Siedlung endlich an das Öffentliche Kanalnetz angeschlossen werden.“ Auf diesem Wege sollten auch alle Straßen asphaltiert und mit Laternen bestückt werden.

Mit „Vereinten Kräften“ der Siedlergemeinschaft wurde dieses Projekt als oberstes Anliegen der Siedler so oft vorgetragen bis es später endlich realisiert wurde. Dieses Motto gilt auch heute noch eher wie je zuvor:

Einigkeit macht stark!

So wurstelte sich in der alten Reichsmarkzeit alles so hin, bis es 1948 mit der Währungsreform zu einem wirklichen Neuanfang auch in unserer Siedlung kam.

9. Neubesiedlung im Kern des Heinefeldes

Zumindest bis 1948 wurde das Erscheinungsbild im Kerngebiet des Heinefeldes zwischen dem heutigen Auerhahnweg, Bachstelzenweg und Reiherweg von den achtzehn dunklen und riesigen Hozbaracken geprägt.

Meine Versuche, Fotos dieser Barackenzeit zu ergattern, war in allen Düsseldorfer Stadt-und Landesarchiven ergebnislos. Bei der Errichtung der Baracken 1943 waren keinerlei Vermessungsarbeiten oder ähnliches durchgeführt worden, man hatte 1943 ja auch anderes zu tun als sich um „bürokratischen Kleinkram“ zu kümmern.

Auch nur ganz wenige der heutigen Bewohner konnten mir bei den Recherchen zu den Baracken vor ihrer Zeit helfen, sie sind ja auch schon zum größten Teil die Folgegeneration der damaligen Neusiedler seit 1948 auf dem Heinefeld!

Beim sehr gut geführten Katasteramt der Stadt wurde ich fündig: Die erste genehmigte Luftaufnahme aus dem Jahre 1958 zeigt erstaunliches: Die beiden letzten Überbleibsel aus der Folgezeit der schrecklichen Bombennächte auf die Stadt, Baracke 12 und Baracke 18 standen noch mindestens bis 1958.

Aus Interviews mit Zeitzeugen möchte ich erzählen: Frühe Flüchtlinge aus dem Deutschen Osten und andere Heimatvertriebene fanden zusammen mit Bombengeschädigten auf dem ehemaligen „Zusatzbzw. Grabeland“ der Altsiedler die Möglichkeit zu bauen. (Dieses Zusatzland nutzten die Altsiedler mit Genehmigung der Stadt zum
weiteren Anbau von Obst und Gemüse in schlechten Zeiten).

Zunächst fing man klein an, natürlich z.T. ohne Kanalisation. Stromund Wasserleitungen gab es ja noch aus der provisorischen Barackenbebauung. Die Stadt hatte unbürokratisch geholfen, zumal auch ehemalige Widerstandskämpfer bzw. KZ-Insassen unter den Bewerbern waren, wurden Grundstücke parzelliert und in Erbpacht verteilt. Im Laufe der Zeit verschwanden die meisten Baracken und der „Bauboom“ konnte los gehen.

Im Fortschritt des Abrisses der alten Holzbaracken entstanden aus einfachen Anfängen immer mehr schmucke Häuschen und dieser Teil der Siedlung fügte sich immer mehr und harmonisch in das Gesamtbild der „Siedlung Auf der Golzheimer-Heide“ ein. Heute ist ein Teil der zweiten Generation der Neusiedler wie selbstverständlich Mitglied in unserer Siedlergemeinschaft. Und das „alte“ Heinefeld gerät immer mehr in Vergessenheit.


10. Bedeutung der Straßennamen in unserer Siedlung

Die Vogelarten welche den meisten Straßennamen unserer Siedlung zu Grunde liegen sind hinlänglich bekannt. Wem ist aber z.B. der Begriff „Piwipp“ bekannt? Die Herren Kleinfeld und Neidhöfer haben sich in einer Sisyphus Arbeit an das Thema gemacht und die Bedeutung aller Düsseldorfer Straßennamen aufgeschrieben. Für Interessierte möchte ich in der Folge dieses Abschnittes einen kleinen Teil dieser Arbeit in alphabetischer Reihenfolge der Siedlungsstraßen aufschreiben:

An der Piwipp (zwar nicht im Heinefeld, aber dort spektakulär!) Von Lemgoerweg bis Kalkumerstraße
Benannt am 22.03.1913. Eine am Niederrhein nicht seltene Flurbezeichnung, wahrscheinlich vom Kiebitzruf abgeleitet. Nach einer anderen Lesart und noch wahrscheinlicher bezieht sie sich auf „Bi de Wipp“ = am Schlagbaum.

Auerhahnweg Von Deikerstraße bis Bachstelzenweg. Benannt im November 1945. Der Auerhahn, bis Schwanz ein ca. 90 cm langes Rauhfußhuhn, in Mitteleuropa fast ausgerottet.

Bachstelzenweg Von Auerhahnweg bis Reiherweg. Benannt im November 1945. Sich an heimischen Gewässern aufhalten der Vogel.

BrachvogeIweg Von Deikerstraße bis Heinefeld, benannt am 10.02.1932. Brachvogel, Zugvogel, in Deutschland selten als Brutvogel heimisch.

Buchfinkenweg Vom Mühligweg bis Birkhahnweg, benannt am 26.08.1993. Buchfink, mittelgroßer Singvogel mit kegelförmigem Schnabel, in Europa und Westasien heimisch.

Deikerstraße Von Deikerstraße bis Heinefeld, benannt am 10.02.1932. Johann Christian Deiker (geb. in Wetzlar 1822, gest.1892 in D‘dorf)Bildnis- und Tiermaler, seit 1868 in Düsseldorf lebend.

Diezelweg
Von Thewissenweg bis Krönerweg, benannt am 10.02.1932. Karl Emil Diezel (1779-1860), 1816 - 1852 Revierförster, Jagdschriftsteller„Erfahrungen aus dem Gebiet der Niederjagd“.

Dohlenweg Von Birkhahnweg bis Mühligweg, benannt im November 1945. Dohle, zur Familie der Rabenvögel gehörend.

Dompfaffweg Von Deikerstraße bis Dohlenweg, benannt am 24.02.1994. Dompfaff (Blutfink, Gimpel) in vielen Teilen Eurasiens vorkommenderFinkenvogel mit rotbraunem Gefieder und schwarzer Kopfkappe.

Elsternweg Von Heinefeldplatz bis Diezelweg, benannt am 10.02.1932. Elster, Rabenvogel mit langem Schwanz und gelb- blauschwarzem Gefieder, Nesträuber und Allesfresser. Lebt in Europa, Asien und imwestlichen Nordamerika.

Fasanenweg Von Reiherweg bis Bachstelzenweg, benannt im November 1945. Fasan ( Phasianinae) nach Phasis, einem Schwarzmeerzufluß benannter farbenprächtiger Bodenvogel, der sich von Beeren, Körnern
und Insekten ernährt.

Heinefeldplatz Zwischen Brachvogelweg / Elsternweg und Birkhahnweg, benannt am 10.02.1932.
Von 1936 - 1945 als Kurt Hilmerplatz, dann ab November 1945 Heinefeldplatz. Flurbezeichnung nach dem ehemaligen Besitzer dieser Gemarkung namens HEINE „Am Heinefeld“.

Krönerweg Von der Deikerstraße bis An der Golzheimer Heide, benannt am 10.02.1932. Christian Kröner, (1838 - 1911) Jagd- und Landschaftsmaler. Prof. an der königlichen Kunstakademie bis 1863 zu Düsseldorf. Magda Kröner, (1854 Rendsburg bis 1935 Düsseldorf) gehörte zur berühmten Düsseldorfer Malerschule und war seit 1883 mit Christian Kröner verheiratet.Sie schuf u. a. weltberühmte Stilleben mit Wiesenblumen.

Merlinweg
Vom Heinefeldplatz aus bis Wendehammer, benannt am 24.2.1994. Merlin, kleinster europäischer Falke. Schiefergraue Oberseite mit brauner Genickbinde und Unterseite. Schwanz grau mit schwarzerEndbinde.

Mühligweg
Vom Schwalbenweg bis An der Gotzheimer Heide, benannt am 10.02.1932 Hugo Mühlig, (1854 in Dresden - 1929 in Düsseldorf) Landschaftsmaler mit besonderer Vorliebe für den Niederrhein und die Dünen der
Heidelandschaft lebte seit 1881 in Düsseldorf. Dort studierte er an der königlichen Kunstakademie und war über Jahrzehnte Professor der Akademie. Er begründete mit Malerkollegen zusammen die berühmte „Düsseldorfer Malerschule“. Es entstanden von ihm viele berühmte Meisterwerke wie „Herbstliche Allee mit Spaziergängern um
1885“, „Markttag“ um 1891, „Die Gänseliesel“ und „Heimkehrende Musikanten im Winter“ um 1897. Die meisten detailgenauen Werke in Öl auf Holz.

Otto-Pankok-Straße Am Hackenbruch in Eller. Diesem, dem Heinefeld sehr verbundenen Maler und Professor der Düsseldorfer Kunstakademie blieb leider versagt, dass nach ihm eine Straße auf dem Heinefeld benannt wurde. Bei der ersten Namengebungs Aktion auf dem Heinefeld im Februar 1932 vergaß man ihn einfach. Im Jahre 1937 erhielt der Professor als „Entarteter“ von den Nazis Malverbot. Erst am 26.01.1984 ehrte manihn posthum durch eine Straßenbenennung in Eller.

Reiherweg  Vom Auerhahnweg bis Bachstelzenweg, benannt im November 1945. Reiher (Ardeidae), Familie der Stelzvögel mit rund 65 weltweit verbreiteten Arten. Bei uns an Süßgewässern und Baggerlöchern brütendund lebend. Bevorzugt im Heinefeld die Zierfische der Siedler!

Rotkehlchenweg Vom Birkhahnweg zum Birkhahnweg, benannt am 24.02.1993. Rotkehlchen, einheimischer Vogel aus der Familie der Turdinae. ln Wäldern aller Art, Parks und Gärten zuhause.

SchwaIbenweg
Vom Auerhahnweg bis Fasanenweg, benannt im November 1945. Schwalben, weitverbreitete, rund 75 Arten umfassende Singvogelfamilie. Im Altertum wurden Schwalben von Kindern als singende  Frühlingsboten begrüßt; ihr Erscheinen soll Glück bringen und ihre Nestersollen vor Blitzschlag schützen.

Thewissenweg Von der Kalkumer- bis zur Danzigerstraße, förmlich festgestellt am 13.12.1893. Nach einem früheren Ansiedler Thewia, dessen Namen auf den biblischenNamen Mätthäus zurück geht.

Wildentenweg Vom Birkhahnweg bis Fasanenweg, benannt im November 1945. Wildente, ein Schwimmvogel aus der großen Entenfamille. Häufig anzutreffen auf Teichen, Bächen und Flüssen in aller Welt.

11. Vorzeitiges Ende der Erbpachverträge ab 1982 und Beginn der Parzellenverdichtung a. d. Heinefeld

Alle Erbpachtverträge zwischen den Siedlern und der Stadtverwaltung Düsseldorf hatten eine Laufzeit von 99 Jahren.

Das bedeutete, dass z.B. die 1933 abgeschlossenen Pachtverträge mit sehr kleinen monatlichen Pachtabgaben bis zum Jahre 2032 Gültigkeit gehabt hätten.

Wegen einer Reihe von städtebaulichen Maßnahmen wurde es erforderlich, manche Grundbesitzer zu enteignen. Für diese „Projektverdrängten„ suchte die Stadt neue Grundstücke.

Die Verwaltung fand u.a. folgende Lösung: man bot den Erbbau-Siedlern an, jeweils die Hälfte der gepachteten Grundstücke zu äußerst günstigen Preisen und -Zahlungsmodalitätenzu kaufen und die andere Hälfte an Projektverdrängte und Siedlernachkommen zu verkaufen.

Die meisten Siedler entschlossen sich zum Kauf ihrer Grundstückshälfte. Es dauerte eine Weile bis die Bebauungspläne für die freigewordenen Grundstücke erstellt waren.

Nach einer Welle von Grundstücks-Bewerbungen entstand eine rege und zum Teil eigenartige Verteilung der Grundstücke in unserer Siedlung. Es wurden nicht nur „Projektverdrängte“ oder „Nachkommen von Altsiedlern“ berücksichtigt.

Dem Verfasser wurde zum Beispiel vom Liegenschaftsamt ein Grundstück auf dem „Hellerhof“ angeboten! Erst der energische Protest mit Nachweis auf dubiose Vergabemethoden führte zum Erfolg; nicht zuletzt, weil ich mir auch der Fürsprache von Ratsherren - damals Mitglieder im Liegenschaftsausschuß - sicher sein durfte. Es war bald klar, dass wir nicht zu den supergünstigen Preisen unsere Grundstücke erwerben konnten wie die Altsiedler, sondern unser Kaufpreis lag um mehr als das Dreifache höher, aber immer noch erfreulich angemessen.

Ab 1985 ging es auf dem Reiherweg und Auerhahnweg richtig los. Es entstanden viele schmucke neue Häuser. Manche „Altsiedler“ waren über diese Neuerung natürlich nicht sehr glücklich, rückte doch durch die Parzellenverdichtung alles mehr zusammen. In der Folge wurde alles jedoch sehr harmonisch zumal sich ein Teil der „Altsiedler“ und der „Neusiedler“ aus der Kindheit kannten. Heute leben alle in Eintracht „Op de Heid“ zusammen und die Siedlung hat sich insgesamt längst zu einem durchaus attraktiven Wohngebiet entwickelt.
Die „Siedlergemeinschaft Auf der Golzheimer-Heide“ hat auch profitiert, durch die Parzellenverdichtung ist die Mitgliederzahl mittlerweile auf über 150 Siedlerfamilien angewachsen.

Über die Baumaßnahmen jedes Einzelnen und manche daraus resultierende positiven und auch negativen Erlebnisse könnte bestimmt so manche Episode berichtet werden, aber die gehören in die vier Wände der ‚Neusiedler“. (?)

Fortsetzung folgt
Aktualisiert: 2008.03.04
Bürgerverein Unterrath 1909 und Lichtenbroich e.V.